Wenn Technik den Rücken stärkt: Exoskelett-Praxiseinsatz im Gartencenter

Im Rahmen einer vertieften Beratung besuchten wir die GCM GmbH in Marburg und tauschten uns mit Geschäftsführer Thomas Hilberg über Exoskelette und weitere Themen zur Mensch-Maschine-Interaktion aus. Der Termin bot die Gelegenheit, technologische Innovationen nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern sie auch direkt im realen Arbeitsumfeld zu erproben.

Ein innovativer Betrieb mit Vorbildcharakter

Das Marburger Gartencenter verfolgt zahlreiche innovative Ansätze, die in dieser Form in der Region einzigartig sind. Moderne Verkaufs- und Präsentationskonzepte, neue Serviceangebote sowie ein ausgeprägter Fokus auf nachhaltige und mitarbeiterorientierte Lösungen prägen den Betrieb. Damit bietet das Gartencenter ideale Voraussetzungen, um neue Technologien im Hinblick auf gesunde und zukunftsfähige Arbeit zu erproben.

Einführung in das Thema Exoskelette

Zu Beginn unserer Beratung gab es eine Einführung in das Thema Exoskelette. Dies sind tragbare mechanische (passive Exoskelette) oder elektrische Unterstützungssysteme (aktive Exoskelette), die am Körper getragen werden und Bewegungen sowie körperlich belastende Tätigkeiten unterstützen. Sie werden eingesetzt, um die körperliche Belastung bei Arbeiten wie Heben, Tragen oder Überkopfarbeiten zu reduzieren und so Muskel-Skelett-Erkrankungen vorzubeugen. In der Beratung wurden sowohl passive als auch aktive Exoskelette vorgestellt und deren Funktionsweisen erläutert. Im Fokus stand die Frage, in welchen Arbeitsbereichen Exoskelette Beschäftigte entlasten können – etwa bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten, wiederholten Bewegungen oder Arbeiten in ungünstigen Körperhaltungen – und wo ihre Grenzen liegen.

Rundgang durch das Gartencenter

Im Anschluss an den theoretischen Teil führte Thomas Hilberg uns durch das gesamte Gelände des Gartencenters. Während des Rundgangs erhielten wir Einblicke in verschiedene innovative Exponate, Arbeitsbereiche und Angebote des Betriebs. Die Führung machte deutlich, wie vielfältig die Tätigkeiten im Gartencenter sind: von schweren Hebe- und Tragearbeiten über Tätigkeiten im Verkauf bis hin zur Pflege von Pflanzen und Präsentationsflächen. Diese Vielfalt bildete eine ideale Grundlage, um den potenziellen Einsatz von Exoskeletten realistisch zu bewerten.

Exoskelett-Erprobung im Arbeitsalltag

Zentraler Bestandteil der vertieften Beratung war die praktische Erprobung eines mitgebrachten aktiven Exoskeletts. Mehrere Mitarbeitende des Gartencenters testeten das System direkt bei typischen Tätigkeiten ihres Arbeitsalltags. Dabei konnten sie selbst erleben, welchen Einfluss das Tragen des Exoskeletts auf Bewegungsabläufe, Kraftaufwand und Arbeitskomfort hat.

Schnell zeigte sich, dass das Exoskelett je nach Tätigkeit unterschiedlich gut geeignet ist. Während bestimmte Arbeitsbewegungen spürbar unterstützt wurden, erwiesen sich andere Tätigkeiten als weniger kompatibel mit dem System. Diese direkten Praxiserfahrungen lieferten wertvolle Erkenntnisse für eine realistische Einschätzung des Nutzens.

Die Erprobung stieß nicht nur bei den Mitarbeitenden, sondern auch bei anwesenden Kundinnen und Kunden auf großes Interesse und führte zu zahlreichen Gesprächen über neue Technologien im Arbeitsalltag.

Offener Austausch und gemeinsame Reflexion

Die praktische Phase wurde von einem offenen Austausch begleitet. Gemeinsam wurden Fragen wie die folgenden diskutiert:

  • Welche Tätigkeiten eignen sich besonders für den Einsatz von Exoskeletten?
  • Wie hoch ist der Anpassungsaufwand für Mitarbeitende?
  • Wie reagiert die Kundschaft auf Exoskelette?
  • Welche Akzeptanz ist im Arbeitsalltag zu erwarten?

Dabei wurde deutlich, dass Exoskelette kein universelles Hilfsmittel für alle Arbeitsbereiche sind. Bei gezieltem Einsatz können sie jedoch einen wichtigen Beitrag zur körperlichen Entlastung und zur langfristigen Gesunderhaltung der Beschäftigten leisten.

Fazit: Praxisnahe Einblicke in eine Zukunftstechnologie

Der Besuch im Marburger Gartencenter hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig es ist, neue Technologien direkt im betrieblichen Alltag zu erproben. Die vertiefte Beratung im Rahmen des Projekts ZUKIPRO ermöglichte eine konkrete und praxisnahe Betrachtung des Themas Exoskelette.

Für das Gartencenter bot der Termin wertvolle Entscheidungsgrundlagen für mögliche nächste Schritte. Für uns waren die Einblicke in die Anforderungen eines innovativen Handelsbetriebs sehr wertvoll. Insgesamt wurde deutlich: Technologische Innovationen entfalten ihren Mehrwert vor allem dann, wenn sie gemeinsam mit den Beschäftigten erprobt und kritisch reflektiert werden.

Sie haben eine innovative Idee und möchten diese in die Praxis umsetzen?

Wir unterstützen Sie gerne dabei – von der ersten Idee bis zur konkreten Umsetzung. Erfahren Sie mehr über unsere vertiefte Beratung und melden Sie sich bei uns: https://www.zukipro.de/vertiefte-beratung/

 

Autorin und Ansprechpartnerin: Estella Landau, M. Ed. (Universität Kassel, FG Mensch-Maschine-Systemtechnik)