Publikationen und Beiträge

ZUKIPRO auf dem GfA-Frühjahrskongress: Zwei Poster zu Qualifizierung und KI-Akzeptanz

Vom 11. bis 13. März 2026 kam die deutschsprachige Arbeitswissenschaft an der Universität Kassel zusammen. Unter dem Motto „Menschengerechte Arbeitsgestaltung“ diskutierte der 72. Frühjahrskongress der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft genau die Frage, die auch unsere Arbeit im Zukunftszentrum leitet: Wie gelingt der Einsatz neuer Technologien so, dass die Beschäftigten ihn mittragen? Wir waren mit zwei Posterbeiträgen vertreten, die beide aus unserer Arbeit mit hessischen KMU entstanden sind.

2026

Gamification als Türöffner für die Kompetenzentwicklung

Weiterbildung scheitert im produzierenden Mittelstand selten am Willen, sondern am Schichtplan. Zweitägige Seminare lassen sich nicht abbilden, und klassische Formate erreichen Beschäftigte in der Fertigung oft nicht. Unser erstes Poster stellt deshalb ein Format vor, das den Einstieg anders organisiert: einen mobilen Escape Room, der zu Ihnen in den Betrieb kommt.

Das Konzept läuft in drei Phasen. Ein Szenario-Briefing (15–30 Minuten) bettet die Gruppe in eine Forschungsmission ein und schafft so einen niedrigschwelligen Zugang zu einem sperrigen Thema. In der Spielphase (rund 60 Minuten) lösen die Teams sieben Rätsel rund um KI und Digitalisierung — kooperativ, unter Zeitdruck und ohne Risiko, etwas falsch zu machen. Entscheidend ist die moderierte Reflexionsphase (rund 45 Minuten): Erst hier werden die Spielerfahrungen systematisch auf New Work und KI im eigenen Betrieb übertragen. Ohne dieses Debriefing bleibt vom Erlebnis wenig hängen.

Der Ansatz zielt damit auf drei Dinge gleichzeitig: Motivation fördern, Technologieängste abbauen und die Selbstwirksamkeit der Beschäftigten stärken.

Bedenken messen, statt sie zu vermuten

Wie Beschäftigte tatsächlich zu KI stehen, lässt sich schwer erraten. Wir haben dafür ein Befragungsinstrument entwickelt: rund 65 Fragen zu persönlichen Einstellungen, erwarteten Veränderungen der eigenen Arbeit, konkreten Bedenken, nötigen Kompetenzen und Wünschen zur Einbindung in die KI-Einführung. Eingesetzt wurde es bisher in zwei Unternehmen, 156 Beschäftigte haben teilgenommen.

Das Ergebnis überrascht viele Führungskräfte: Die Sorge vor Jobverlust ist gering. Die Beschäftigten trauen sich zu, die neue Technik zu bedienen, und sind offen und motiviert, KI zu nutzen. Die Akzeptanz hängt allerdings an Bedingungen — sie ist deutlich höher, wenn Beschäftigte bei Entscheidungen einbezogen werden, wenn ihre Bedenken gehört werden, wenn die Grenzen der Technologie klar benannt sind, wenn Datensicherheit überzeugend gelöst ist und wenn das Unternehmen einer klaren, kommunizierten Strategie folgt.

Bei der Auswertung bleibt es nicht. Die Ergebnisse besprechen wir in einem Workshop mit Vertreterinnen und Vertretern aus verschiedenen Abteilungen und Hierarchiestufen, priorisieren die wichtigsten Themen und sammeln Ideen für konkrete Veränderungen. Daraus entstehen Arbeitsgruppen, die die Umsetzung übernehmen und regelmäßig berichten.