Fördermittel für KI-Anwendungen: Welche Unterstützung passt zu Ihrem Projekt?
Viele Unternehmen nutzen KI bereits, um Routineaufgaben zu automatisieren, Qualitätssicherung zu verbessern, Daten besser auszuwerten oder Kundenanfragen schneller zu bearbeiten. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen stellt sich dabei schnell die Frage: Lässt sich ein KI-Projekt fördern? Die Antwort lautet: oft ja – aber nicht jedes KI-Vorhaben passt automatisch in jedes Förderprogramm. Entscheidend ist, ob es um die Einführung einer bestehenden Lösung, eine Prozessverbesserung oder echte Forschungs- und Entwicklungsarbeit geht.
Der erste Schritt: Projekt sauber einordnen
Bevor Unternehmen nach Fördermitteln suchen, sollten sie klären, was genau gefördert werden soll. Geht es um die Anschaffung einer KI-gestützten Software? Um die Einführung eines Assistenzsystems in der Produktion? Um eine eigene KI-Lösung mit technischem Entwicklungsrisiko? Oder um die Qualifizierung von Beschäftigten? Diese Einordnung ist wichtig, weil Förderprogramme sehr unterschiedlich ticken. Für die erste Orientierung lohnt sich die Förderdatenbank des Bundes, weil dort Programme von Bund, Ländern und EU gebündelt recherchiert werden können. Noch besser ist es, frühzeitig eine Beratung einzubauen, bevor Angebote beauftragt oder interne Projektstarts ausgelöst werden.
Bundesweit interessant: ZIM für echte KI-Entwicklung
Wenn ein Unternehmen eine neue KI-basierte Lösung entwickelt – zum Beispiel ein Bildverarbeitungssystem, ein datengetriebenes Assistenzsystem oder einen intelligenten Service mit technologischem Risiko – kann das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand, kurz ZIM, relevant sein. ZIM ist technologie- und branchenoffen und fördert Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die zu neuen Produkten, technischen Dienstleistungen oder besseren Produktionsverfahren führen. Bei ZIM-Einzelprojekten liegen die zuwendungsfähigen Kosten aktuell bei maximal 690.000 Euro; die Förderquote hängt unter anderem von Unternehmensgröße und Standort ab. Wichtig: ZIM ist nicht für reine Standardsoftware-Einführungen gedacht. Das Vorhaben muss einen nachvollziehbaren Innovationsgehalt und gute Marktchancen haben.
Hessen: DIGI-Zuschuss für kleinere Digitalisierungsschritte
Für kleinere, konkrete Digitalisierungsprojekte in Hessen kann der DIGI-Zuschuss passen. Gefördert werden unter anderem IKT-Hard- und Software zur Digitalisierung von Produkten, Dienstleistungen und Betriebsprozessen, IKT-Sicherheitslösungen sowie damit verbundene externe Dienstleistungen, Migrationen und Schulungen. Der Zuschuss beträgt bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Sachausgaben, maximal 10.000 Euro; eine Förderung ist ab 4.000 Euro zuwendungsfähigen Sachausgaben möglich. Für KI-Projekte ist der DIGI-Zuschuss vor allem dann interessant, wenn eine bestehende digitale oder KI-nahe Lösung eingeführt wird, etwa zur Prozessunterstützung, Datenanalyse oder IT-Sicherheit. Die Antragstellung läuft über Förderaufrufe beziehungsweise das Kundenportal der WIBank; aktuelle Fristen sollten immer direkt geprüft werden.
Hessen: Distr@l für digitale Produkt- und Prozessinnovationen
Wenn das Vorhaben größer und innovativer ist, kommt in Hessen Distr@l in den Blick. Besonders relevant ist Förderlinie 2. Förderlinie 2A adressiert digitale Produktinnovationen, also etwa Prototypen, Systeme, Verfahren oder digitale Anwendungen. Förderlinie 2B richtet sich an digitale Prozessinnovationen, etwa neue oder wesentlich verbesserte Methoden in Produktion, Geschäftsprozessen oder Wertschöpfungsketten. Für KI-Projekte kann Distr@l damit gut passen, wenn der Einsatz über eine normale Softwareeinführung hinausgeht und eine messbare digitale Innovation entsteht.
Hessen: F&E-Förderung für Technologievorhaben
Für anspruchsvolle Entwicklungsprojekte mit Forschungscharakter gibt es außerdem die hessische F&E-Förderung. Sie richtet sich an KMU und Small-Mid Caps mit Sitz oder Betriebsstätte in Hessen und fördert Vorhaben der industriellen Forschung oder experimentellen Entwicklung. Die Förderung beträgt bei industrieller Forschung bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten; bei experimenteller Entwicklung sind je nach Unternehmensgröße bis zu 45 Prozent, 35 Prozent oder 25 Prozent möglich. Ein Vorhaben sollte mindestens 200.000 Euro förderfähige Kosten umfassen, dauert in der Regel zwei bis drei Jahre und ist auf maximal 500.000 Euro Förderung pro Vorhaben begrenzt.
Die häufigsten Stolpersteine
Viele Förderprojekte scheitern nicht an der Idee, sondern an Formalien. Typische Fehler sind ein zu früher Projektstart, unklare Projektziele, fehlende Eigenmittel, unrealistische Budgets, unklare Zuständigkeiten und schwache Erfolgskriterien. Gerade bei KI-Projekten kommt hinzu: Der Antrag muss verständlich erklären, welchen konkreten Nutzen die KI stiftet, welche Daten genutzt werden, wo der Innovationsgrad liegt und wie Datenschutz, IT-Sicherheit und Beschäftigtenperspektive mitgedacht werden. Wer bereits bestellt, beauftragt oder mit der Umsetzung begonnen hat, bevor das jeweilige Programm dies zulässt, riskiert die Förderfähigkeit.
Fördermittelsprechstunde als Einstieg nutzen.
Unternehmen in Hessen müssen diese Einordnung nicht allein vornehmen. ZUKIPRO bietet kostenfreie Informationen, Qualifizierungen und Beratungen rund um Digitalisierung und KI. In den Sprechstunden können Unternehmen ihre Bedarfe schildern und passende Angebote kennenlernen; ein Schwerpunkt ist „Informationen zu Fördermöglichkeiten und mehr“. Ergänzend unterstützt die ZUKIPRO-Fördermittelsprechstunde sein dabei, einen Überblick über verfügbare Fördermittel zu bekommen, passende Finanzierungsmöglichkeiten zu identifizieren und den Antragsprozess besser vorzubereiten.
Die Angaben zu dem genannten Fördermittel sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Autor und Ansprechpartner:
Kai Asmuß (IHK Kassel-Marburg)
Quellen:
- ZUKIPRO-Fördermittelsprechstunde: https://www.zukipro.de/sprechstunden/
- Förderdatenbank des Bundes: https://www.foerderdatenbank.de/FDB/DE/Home/home.html
- ZIM – Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand, Einzelprojekte Bundesprogramm für F&E-Projekte, Innovationsgehalt, Einzelprojekte, maximale zuwendungsfähige Kosten und Fördersätze: https://www.zim.de/ZIM/Redaktion/DE/Dossiers/einzelprojekte.html
- ZIM – Zuwendungsfähige Kosten Einzelprojekte. Absicherung der Angabe: zuwendungsfähige Kosten je ZIM-Einzelprojekt bis 690.000 Euro: https://www.zim.de/ZIM/Redaktion/DE/Textsammlungen/Einzelprojekte/zuwendungsfaehige-kosten-ep.html
- ZIM – Kooperationsprojekte / Innovationsnetzwerke. Ergänzende Einordnung, falls KI-Projekte mit Partnern oder Forschungseinrichtungen geplant sind: https://www.zim.de/ZIM/Navigation/DE/Foerderangebote/Kooperationsprojekte/kooperationsprojekte.html
- WIBank – DIGI-Zuschuss Hessen. Hessisches Förderprogramm für kleinere Digitalisierungsmaßnahmen, IT-Sicherheit, Hard-/Software, Dienstleistungen, Schulungen; bis 50 Prozent, maximal 10.000 Euro, ab 4.000 Euro Sachausgaben: https://www.wibank.de/wibank/digital-zuschuss
- WIBank – FAQ DIGI-Zuschuss. Gegenprüfung der Konditionen zum DIGI-Zuschuss, insbesondere Förderhöhe, Mindestvolumen und Fördersatz: https://www.wibank.de/resource/blob/wibank/581018/2e73bc635b8f0932076ed16db56b1f84/download-faq-digi-zuschuss-data.pdf
- Hessen Digitales – Distr@l, Digitale Innovationsprojekte. Hessisches Programm für digitale Produktinnovationen und Prozessinnovationen, insbesondere Förderlinie 2A und 2B: https://digitales.hessen.de/Foerderprogramme/Distrl/Digitale-Innovationsprojekte
- Technologieland Hessen – F&E-Förderung in Unternehmen. Hessische F&E-Förderung für industrielle Forschung und experimentelle Entwicklung, Förderquoten, Mindestvolumen, Laufzeit und Förderobergrenze: https://www.technologieland-hessen.de/fue-foerderung
- ZUKIPRO – Startseite. Allgemeine Einordnung des kostenfreien ZUKIPRO-Angebots für KMU in Hessen zu Digitalisierung und KI: https://www.zukipro.de/
- BMWE – Digital Jetzt FAQ. Korrektheitscheck: „Digital Jetzt“ ist ausgelaufen; eine Antragstellung ist nicht mehr möglich: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/FAQ/Digital-Jetzt/faq-digital-jetzt.html


